Hormonspirale bei Frauen die noch nicht entbunden haben

Nach ausreichender Beratung ist das levonorgestrel-haltige IUS  gerade bei jungen Frauen, die noch nicht entbunden haben, eine sinnvolle und wirksame Alternative zu anderen Kontrazeptiva.

Die Anzahl an Frauen, die noch nicht entbunden haben,  nimmt aus verschiedenen Gründen  zu:

  • Weniger Kinder: Seit den geburtenstarken Jahrgängen um 1960 ist die Kinderanzahl pro Frau deutlich zurückgegangen und liegt heute in Österreich bei etwa 1,4.
  • Höheres Alter bei der ersten Geburt: Entscheidet sich frau für ein Kind, so passiert dies heute zu einem deutlich späteren Zeitpunkt als früher. Alleine seit 1991 ist das Alter von Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes von 25 Jahren auf 28 Jahre angestiegen und es steigt weiter an.
  • Mehr Kaiserschnitte: Geburten werden immer öfter per Sectio durchgeführt. Innerhalb der letzten 20 Jahre ist die Sectiofrequenz von 15% auf derzeit 30% angestiegen. Frauen nach einer Sectio haben die Zervix einer Frau, die noch nicht entbunden hat.
  • Kein Kinderwunsch: Immer mehr Frauen wollen kein Kind. In Deutschland sind dies derzeit etwa 8%, in Österreich 18% aller Frauen.

Frauen, die (noch) kein Kind haben, suchen meist eine Methode mit hoher kontrazeptiver Wirksamkeit. Zudem hat diese Anwenderinnengruppe oft spezielle Ansprüche an ihr Verhütungsmittel. Der Lebensstil ist teilweise von Unregelmäßigkeiten geprägt, weshalb die Compliance, die bei anderen Methoden für deren Wirksamkeit notwendig ist, in dieser Altersgruppe manchmal weniger gegeben ist.

Die  klinische Erfahrung und die publizierte Evidenz zeigen, dass Intrauterinpessare (IUD) und insbesondere das Levonorgestrel-Intrauterinsystem (LNG-IUS) gerade für Frauen, die noch nicht entbunden haben, eine sehr geeignete Methode zur Kontrazeption darstellen und letztgenanntes oft die Methode der ersten Wahl ist.

Beide Methoden bieten einen zuverlässigen Schutz vor ungewollten Schwangerschaften für 3-5 Jahre. Wobei die Sexualität spontan gelebt werden kann.

Das LNG-IUS hat ferner zwei zusätzliche Wirkungen, welche gerade bei jungen Frauen, die noch nicht entbunden haben, als äußerst positiv empfunden werden: Reduktion von Dysmenorrhoe und der Menstruationsstärke, sowie Blutungsdauer.

Eine früher häufig vermutete Zunahme an Infektionen durch IUDs, bzw. eine negative Auswirkung auf die Fertilität konnte nicht bestätigt werden, auch nicht bei Frauen, die noch nicht entbunden haben. Vielmehr konnte gezeigt werden, dass das Risiko einer aufsteigenden Infektion (PID) bei jungen Frauen mit Hormonspirale geringer ist als bei Frauen mit Kupferspirale.

Nicht geeignet ist die Methode für Frauen, die eine Akne aufweisen, wegen einer tendenziellen Verschlechterung der Haut.

Zu berücksichtigen ist die geschlossene Zervix bei Frauen, die noch keine vaginale Geburt hatten, weil dies die Einlage eines IUDs/IUS erschwert, bzw. das Risiko für Schmerzen erhöht. Es ist deshalb nicht überraschend, dass die Angst vor Schmerzen bei der Einlage oder dem Entfernen Frauen häufig von einem IUD/IUS abschreckt. Das kann zur Folge haben, dass Frauen eine weniger geeignete oder weniger wirksame Methode wählen und damit einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, ungewollt schwanger zu werden. In dieser Situation hat sich eine medikamentöse Zervixvorbereitung (Priming) mit dem Prostaglandin Misoprostol (Cyprostol®/Cytotec®) oder dem Progesteron-Rezeptorblocker Mifepriston (Mifegyne®) sowohl in zahlreichen Studien, als auch in der klinischen Praxis sehr bewährt. Details dazu in dem Kapitel: Cervixpriming